Meine größte Sorge hat sich nicht erfüllt. Die Wiese hat sich nicht in einen schlammigen Trampelpfad verwandelt, der von mir erwartete Regen ist ausgeblieben. Umso besser! Ich bin fast schon ein bisschen froh, dass ich mir nicht extra für das Konzert Gummistiefel angeschafft habe. Obwohl –Gummistiefel kann man immer gebrauchen. Vorausgesetzt, man fährt gerne aufs Festival oder auf ein Open Air. Vielleicht ist es nur einfach so, dass ich insgeheim gerne Gummistiefel hätte, einfach um welche im Schrank stehen zuhaben. Für den Fall der Fälle sozusagen. Auch wenn ich sie gar nicht brauchen sollte …

Bei den „Zauberhaften Abenden“ habe ich sie schließlich auch nicht wirklich vermisst. Aber nun genug der Gummistiefel. Wir erinnern uns: Bei den „Zauberhaften Abende“ geben sich an drei Tagen im August unterschiedliche Künstler die Klinke in die Hand und spielen vor der wirklich zauberhaften Kulisse des Schloss Herdringens. Zufälligerweise bin ich vor weit mehr als zwanzig Jahren in unmittelbarer Nähe der Grafschaftauf gewachsen. Sozusagen im Nachbardorf. Grund Genug wieder einmal die alte Heimat zu besuchen. Und als Sahnehäubchen dann noch ein wirklich fantastisches Line Up zu genießen!

Dieses Jahr waren wir – „wir“ das sind ich und mein Freund – am Samstag mit von der Partie. Für den Samstag gab es nämlich, im Gegensatz zu den anderen zwei Terminen, ein schlagendes Argument. Und das war der von mir verehrte Clueso. Ein weiteres Argument waren die ebenfalls von mir geschätzte Band „Wir sind Helden“, auf die sich allerdings besonders meine bessere Hälfte freute. Pohlmann wollte dagegen niemand von uns beiden sehen. Den gab es sozusagen gratis obendrauf.

Max Prosa

Max Prosa, genauso wie auch Clueso von „Flughafen“ produziert und beim Open Air der Support, überzeugte mit deutschen Texten und rauchig-markanter Stimme. Seinesträhnigen braunen Haare fielen ihm immerzu ins Gesicht. Manchmal wirkte er einwenig verplant, wie er dort oben auf der Bühne stand und mit dem Publikum sprach. Das schmälerte allerdings nicht den sympathischen Gesamteindruck. Natürlich, keine Spur von Arroganz oder Überheblichkeit. Max Prosa kann nur gewinnen, schließlich steht er noch ganz am Anfang seiner Karriere.

Pohlmann
Bisher kannte ich von Pohlmann nur einige wenige Songs. Kein Album, kein Konzert,keinen Bericht. „Wenn jetzt Sommer wär“, „Für Dich“ oder „Wenn es scheint, dass nichts gelingt“ sind so Hits, die im Radio rauf und runter laufen. Zumindestwenn man gelegentlich „Eins Live“ einschaltet. Das Publikum schien Pohlmann zu lieben. Es sang eifrig die Hits des Hamburgers mit, der während seiner Moderation auch immer wieder über seine Wahlheimat erzählte.

Wir sind Helden
„Wirsind Helden“ hätte ich mir anders vorgestellt. Sängerin Judith Holofernes wirktewie die Prototyp Berlinerin: Schwarzes Kleid im Secondhand Look und abgetragene, gelbe Lederstiefel. Dunkelblonde Haare rahmten ihr Gesicht. Und scheinbar hatte Frau Holofernes, genauso wie der Rest der Band, keine Ahnung, wo sie sich eigentlich befindet. Um dies zu kaschieren, erzählte sie immer wieder von dem „schönen Ort“. Auf den Zwischenruf eines Zuschauers, wo sie denn hier eigentlich sei, reagierte die Frontfrau erst gar nicht. Genauso wenig wusste sie, ob das Gemäuer, in dem die Gespenster hausen, eigentlich eine Burg oder ein Schloss ist?! Fairerweise muss ich sagen, dass auch wenn ich das Gerede von ihr ein wenig „strange“ fand, die Musik der Helden und der Auftritt wirklich großartig waren.

Clueso
In der Zwischenzeit standen die Sterne bereits am Himmel, als auch meinpersönlicher Stern am Musikerhimmel zu leuchten begann: Clueso. Vollmundig erzählte ich meinem Freund, dass ich jedes Lied mitsingen könnte, immerhin hätte ich ja alle fünf Alben zu Hause. Im Laufe des Konzerts musste ich mir dann allerdings eingestehen, dass es bei den neueren Alben noch nicht ganz fürdie hundertprozentige Textsicherheit reicht. Aber ich arbeite daran! Obwohl ich den Kampf um die erste Reihe leider verloren hatte, ich hatte es nur in dieZweite geschafft, war es ein ganz großartiges Gefühl, auch einmal die ganzeBand näher in Augenschein nehmen zu können. Vor mir standen kreischende Teenager und ich mitten drin! Dabei war das Publikum auch altersmäßig buntgemischt, bei den Jüngeren war aber offensichtlich der Ehrgeiz größer sich indie erste Reihe zu schlagen. Übrigens sehr zu meinem Leidwesen! Clueso bot uns dann eine opulente Bühnenshow, die mit ihren Lichteffekten für Eindruck sorgte.

Am Ende des Abends wankten wir dann zufrieden von dannen und versicherten uns noch einmal, dass es bis dahin ein wirklich großartiger Abend war … Für uns war der Abend dann allerdings noch nicht ganz zu Ende, denn es ging noch auf den Geburtstag eines guten Freundes. Aber das ist eine andere Geschichte. Vielleicht habe ich mir bis zum nächsten mal für die “Zauberhaften Abende” Gummistiefel angeschafft. Nur um dann festzustellen, dass ich sie wieder nicht brauche. Man wird sehen!