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„Aus dem Mordfall Buback ist ein Justizfall Becker geworden.“ So steht es zumindest im Klappentext seines Buches “Verena Becker und der Verfassungsschutz.” Wolfgang Kraushaar untersucht dabei eine unglaubliche Annahme. RAF-Terroristin Verena Becker soll für den Verfassungsschutz gearbeitet haben.Und das möglicherweise sogar vor dem Attentat auf Siegfried Buback. Sollte der Staat eine Frau decken, die über den Mordfall informiert war oder sogar selbst die Waffe gezückt hat?
Begründete Vermutung
Wolfgang Kraushaar, Kenner der Materie und Leiter des Hamburger Instituts für Sozialforschung, beleuchtet den Fall im Kontext seiner Zeit. Dabei schildert er auch die Biographie Beckers, deren Leben im Jahr 1972 eine entscheidende Wende nimmt. Becker saß nach einem Anschlag in U-Haft. Einige der Inhaftierten wurden vom Berliner Landesamt für Verfassungsschutz kontaktiert. Ulrich Schmücker, Mitglied der terroristischen Gruppe “Bewegung 2. Juni” ging dem Verfassungsschutz ins Netz. Er gestand seine Tat und ließ sich für seine Dienste anwerben.
Und das mit fatalen Folgen. Schmücker wurde nach neun Monaten Haft wieder entlassen, wurde allerdings später erschossen. Von seinen “Freunden” aus der linken Szene wurde er regelrecht hingerichtet. Der Mord an dem Studenten ist bis heute ungeklärt. Wie sich später herausstellte, gehörte die Tatwaffe in den Besitz des Verfassungsschutzes. Der Schluss liegt also nahe, dass auch Verena Becker für den Verfassungsschutz gearbeitet haben könnte.
Annahmen und Hypothesen
Der Publizist versucht Licht ins Dunkel zu bringen. Er erläutert die Beziehungen bundesdeutscher Geheimdienste und ihre Rolle zum Terrorismus. Es gelingt Wolfgang Kraushaar nicht den Nachweis zu erbringen, dass Verena Becker tatsächlich Agentin des Verfassungsschutz war. Sein Buch beruht auf Annahmen und Hypothesen. Um diese zu beweisen sammelt der Autor akribisch Indizien. Warum sind Zeugenaussagen vernachlässigt worden? Bereits unmittelbar nach dem Attentat auf Siegfried Buback wollten einige der Befragten eine zierliche Person gesehen haben, die die tödlichen Schüsse abgegeben hatte. Warum wurde Verena Becker niemals angeklagt, obwohl bei ihr die Tatwaffe gefunden wurde? Fragen über Fragen.
Was am Ende bleibt? „Der Verdacht ist und bleibt eine begründete Vermutung. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.”
Wolfgang Kraushaar: Verena Becker und der Verfassungsschutz
Hamburger Edition, Hamburg 2010
Meine größte Sorge hat sich nicht erfüllt. Die Wiese hat sich nicht in einen schlammigen Trampelpfad verwandelt, der von mir erwartete Regen ist ausgeblieben. Umso besser! Ich bin fast schon ein bisschen froh, dass ich mir nicht extra für das Konzert Gummistiefel angeschafft habe. Obwohl –Gummistiefel kann man immer gebrauchen. Vorausgesetzt, man fährt gerne aufs Festival oder auf ein Open Air. Vielleicht ist es nur einfach so, dass ich insgeheim gerne Gummistiefel hätte, einfach um welche im Schrank stehen zuhaben. Für den Fall der Fälle sozusagen. Auch wenn ich sie gar nicht brauchen sollte …
Bei den „Zauberhaften Abenden“ habe ich sie schließlich auch nicht wirklich vermisst. Aber nun genug der Gummistiefel. Wir erinnern uns: Bei den „Zauberhaften Abende“ geben sich an drei Tagen im August unterschiedliche Künstler die Klinke in die Hand und spielen vor der wirklich zauberhaften Kulisse des Schloss Herdringens. Zufälligerweise bin ich vor weit mehr als zwanzig Jahren in unmittelbarer Nähe der Grafschaftauf gewachsen. Sozusagen im Nachbardorf. Grund Genug wieder einmal die alte Heimat zu besuchen. Und als Sahnehäubchen dann noch ein wirklich fantastisches Line Up zu genießen!
Dieses Jahr waren wir – „wir“ das sind ich und mein Freund – am Samstag mit von der Partie. Für den Samstag gab es nämlich, im Gegensatz zu den anderen zwei Terminen, ein schlagendes Argument. Und das war der von mir verehrte Clueso. Ein weiteres Argument waren die ebenfalls von mir geschätzte Band „Wir sind Helden“, auf die sich allerdings besonders meine bessere Hälfte freute. Pohlmann wollte dagegen niemand von uns beiden sehen. Den gab es sozusagen gratis obendrauf.
Max Prosa
Max Prosa, genauso wie auch Clueso von „Flughafen“ produziert und beim Open Air der Support, überzeugte mit deutschen Texten und rauchig-markanter Stimme. Seinesträhnigen braunen Haare fielen ihm immerzu ins Gesicht. Manchmal wirkte er einwenig verplant, wie er dort oben auf der Bühne stand und mit dem Publikum sprach. Das schmälerte allerdings nicht den sympathischen Gesamteindruck. Natürlich, keine Spur von Arroganz oder Überheblichkeit. Max Prosa kann nur gewinnen, schließlich steht er noch ganz am Anfang seiner Karriere.
Pohlmann
Bisher kannte ich von Pohlmann nur einige wenige Songs. Kein Album, kein Konzert,keinen Bericht. „Wenn jetzt Sommer wär“, „Für Dich“ oder „Wenn es scheint, dass nichts gelingt“ sind so Hits, die im Radio rauf und runter laufen. Zumindestwenn man gelegentlich „Eins Live“ einschaltet. Das Publikum schien Pohlmann zu lieben. Es sang eifrig die Hits des Hamburgers mit, der während seiner Moderation auch immer wieder über seine Wahlheimat erzählte.
Wir sind Helden
„Wirsind Helden“ hätte ich mir anders vorgestellt. Sängerin Judith Holofernes wirktewie die Prototyp Berlinerin: Schwarzes Kleid im Secondhand Look und abgetragene, gelbe Lederstiefel. Dunkelblonde Haare rahmten ihr Gesicht. Und scheinbar hatte Frau Holofernes, genauso wie der Rest der Band, keine Ahnung, wo sie sich eigentlich befindet. Um dies zu kaschieren, erzählte sie immer wieder von dem „schönen Ort“. Auf den Zwischenruf eines Zuschauers, wo sie denn hier eigentlich sei, reagierte die Frontfrau erst gar nicht. Genauso wenig wusste sie, ob das Gemäuer, in dem die Gespenster hausen, eigentlich eine Burg oder ein Schloss ist?! Fairerweise muss ich sagen, dass auch wenn ich das Gerede von ihr ein wenig „strange“ fand, die Musik der Helden und der Auftritt wirklich großartig waren.
Clueso
In der Zwischenzeit standen die Sterne bereits am Himmel, als auch meinpersönlicher Stern am Musikerhimmel zu leuchten begann: Clueso. Vollmundig erzählte ich meinem Freund, dass ich jedes Lied mitsingen könnte, immerhin hätte ich ja alle fünf Alben zu Hause. Im Laufe des Konzerts musste ich mir dann allerdings eingestehen, dass es bei den neueren Alben noch nicht ganz fürdie hundertprozentige Textsicherheit reicht. Aber ich arbeite daran! Obwohl ich den Kampf um die erste Reihe leider verloren hatte, ich hatte es nur in dieZweite geschafft, war es ein ganz großartiges Gefühl, auch einmal die ganzeBand näher in Augenschein nehmen zu können. Vor mir standen kreischende Teenager und ich mitten drin! Dabei war das Publikum auch altersmäßig buntgemischt, bei den Jüngeren war aber offensichtlich der Ehrgeiz größer sich indie erste Reihe zu schlagen. Übrigens sehr zu meinem Leidwesen! Clueso bot uns dann eine opulente Bühnenshow, die mit ihren Lichteffekten für Eindruck sorgte.
Am Ende des Abends wankten wir dann zufrieden von dannen und versicherten uns noch einmal, dass es bis dahin ein wirklich großartiger Abend war … Für uns war der Abend dann allerdings noch nicht ganz zu Ende, denn es ging noch auf den Geburtstag eines guten Freundes. Aber das ist eine andere Geschichte. Vielleicht habe ich mir bis zum nächsten mal für die “Zauberhaften Abende” Gummistiefel angeschafft. Nur um dann festzustellen, dass ich sie wieder nicht brauche. Man wird sehen!
Staatsfeind, Charismatiker, RAF-Terrorist – Andreas Baader ist eine facettenreiche Figur. Viele Autoren haben sich bereits mit dem Phänomen Andreas Baader beschäftigt. So auch Klaus Stern und Jörg Herrmann. Nicht alles ist neu, was der Dokumentarfilmer und der evangelische Theologe zusammen tragen. Dennoch gelingt es ihnen interessante Aspekte aufzuzeigen und sich so dem Phänomen Andreas Baader zu nähern.
Dies liegt mitunter daran, dass die Autoren zahlreiche Interviews geführt haben. Beispielsweise mit Ello Michel, der Tochter von Andreas Baader, die heute in Paris lebt. Der Leser gewinnt durch sie zwar einen Einblick in die Vater-Tochter Beziehung, allerdings wird der Erkenntnisgewinn nicht wesentlich vergrößert. Vergleichsweise interessant ist dagegen die Darstellung seines Onkels Michael Kroecher, der als Schauspieler und Tänzer an renommierten Theatern aufgetreten ist. Oder die Gespräche mit Mutter Anneliese Baader, die noch im Altenheim froh darüber ist, das niemand wisse, wer sie wirklich sei.
Der Weg in den Untergrund
Es gelingt den Autoren herauszustellen, und das ist die eigentliche Leistung des Werks, dass der spätere RAF-Terrorist mit der 1968er Bewegung wenig am Hut hatte. Die Studentenbewegung ist eine willkommene Projektionsfläche für ihn, in der er endlich zur „Aktion“ schreiten kann. Der nonkonforme Andreas Baader, der zeitlebens aneckte und bereits in jungen Jahren straffällig wurde, kann so seine Mitmenschen in seinen Bann ziehen. Dabei inszeniert er sich selbst und hält sich nicht immer an die Wahrheit. Er behauptet, dass er ein Buch schreibt oder einen Film drehen will. Nichts davon ist wahr.
Eigentlich ist er arbeitslos, schnorrt sich durch und lässt sich von seinen Frauen aushalten. Er ist ein klassischer Anti-Held und Haustyrann. Erst die 1968er Bewegung gibt ihm eine Bühne. Ohne sie hätte er vermutlich die Geschichte der Nachkriegszeit niemals geprägt. Es folgt der Weg in den Untergrund, Attentate und Bekennerschreiben. 1972 ist es dann vorbei. Die Baader-Meinhof Gruppe wird inhaftiert.
Das große Scheitern
Doch Andreas Baader gibt nicht kampflos auf. Die Befreiung aus der Haft wird geplant. Die zweite Generation der RAF hat die Aufgabe, die Gefangenen zu befreien. Andreas Baader sollte allerdings nicht mehr in Freiheit gelangen. Nach einem gescheiterten Befreiungsversuch im Oktober 1977 begeht er, zusammen mit Gudrun Ensslin und Jan Carl Raspe, Selbstmord. Irmgard Möller überlebt schwer verletzt. Noch heute rätselt man über die genauen Todesumstände.
Die Biographie „Andreas Baader. Das Leben eines Staatsfeinds“ ist sehr lesenswert. Der reportagenartige Stil der Autoren lässt keine Langeweile aufkommen. Die Fotos dokumentieren anschaulich das Leben des einstigen RAF-Terroristen. Mit der Überblicksdarstellung gewinnt der Leser einen umfangreichen Überblick über das Leben des Staatsfeindes, allerdings weniger über die RAF.
Klaus Stern, Jörg Hermann: Andreas Baader. Das Leben eines Staatsfeindes
dtv, München 2006, 360 Seiten, 15 Euro
