In einem 2005 erschienen Spiegel Interview äußert sich Kim Frank sehr abwertend über den Drummer von Pink Floyd, der seiner Zeit seine Memoiren veröffentlichte. Es seien “Opis” die ihrer Zeit nachtrauern. Sechs Jahre später vermittelt sein kürzlich erschienenes Buch “27″ einen ganz ähnlichen Eindruck: Sein literarisches Debüt weist erstaunliche Parallelen zu seiner eigenen Biographie auf.

Kim Franks Protagonist Mika ist vor allen Dingen eins: Auf der Suche nach sich selbst. Wenn den Hypochonder nicht die Angst vor der Belanglosigkeit seines Daseins treibt, so ist es der Glaube, mit 27 aus dem Leben zu scheiden. Die Zahl fasziniert und verfolgt ihn gleichermaßen. Nicht zuletzt deshalb, weil zum Club der 27 nur jene Musiker gezählt werden, die im Alter von 27 sterben. Mika kann seinem Leben allerdings eine Daseinsberechtigung einhauchen. Mehr zufällig als geplant wird er Mitglied der Band “Fear”. Rasch feiern sie deutschland- und europaweite Erfolge.

Mika durchbricht das Vakuum aus Sex, Drugs and Rock´n´ Roll erst, als er eines Tages Clara trifft. Clara ist Moderatorin, hat rot gefärbte Haare und blaue Kontaktlinsen. Sie ist seine erste große Liebe. Auf den großen Ruhm folgt der freie Fall. Einsamkeit und Angst vor einem frühen Tod sind Mikas ständige Begleiter. Genauso wie der Protagonist war Kim Frank in seiner Jugend erfolgreicher Sänger der Band “Echt”. Von den Medien und den Fans wurde er zur Stimme einer ganzen Generation verklärt. Außerdem war er vier Monate lang mit Enie van de Meiklokjes, seiner Zeit Bravo TV Moderatorin mit roten Haaren, liiert.

Streckenweise fehlt Kim Franks Erstling die nötige Tiefe. Als Leser wünscht man sich, mehr über seine Charaktere zu erfahren. Das spannende Thema Club 27 könnte feinsinniger in das Geschehen integriert werden, an vielen Stellen wirkt es konstruiert und will nicht recht in den Erzählfluss passen. Im Verlauf der Handlung gewinnt sein Roman allerdings an Stärke. Die Romanze zwischen Mika und Clara ist wundervoll beschrieben, klar und wahrhaftig. Trotz kleiner Schwächen ist Kim Franks “27″ die ideale Abendlektüre um abzuschalten und um eine andere Welt einzutauchen. Bleibt abzuwarten, ob er es beim nächsten Roman schafft, sich mehr von seiner eigenen Vita zu lösen. Denn von einem Rock Opi ist Kim Frank mit seinen 28 Jahren noch weit entfernt.